Obermarkersdorf, Schrattenthal, Waitzendorf

Archiv RCHIV DER

Stadtgenmeinde ADTGEMEINDE
SCHRATTENTHAL IN
WAITZENDORF

EIN ÜBERBLICK

Franz KARNER
September 2005

 
M it einstimmigen Beschluß des Gemeinderates der Stadtgemeinde Schrattenthal vom 12. Juli 1999 unter dem Vorsitz von Bgm. Werner Grolly und auf Antrag des Vizebgm. Franz Schrejma wurde Franz Karner der Schlüssel zum neuen Archivraum im Gemeindehaus in Waitzendorf übertragen.

 
Rückblickend ist zu sagen, daß die Forschungs- und Sammeltätigkeit bereits zehn Jahre vorher begann. Aus Anlaß des 90jährigen Bestehens der FFW wurde 1989 die Festschrift "Waitzendorf / Historischer Boden / Geschichtlicher Rückblick eines Weinortes am Manhartsberg" herausgegeben, und zwar unter Mitarbeit von Johann DIVOTGEY, Cornelia FABICH, Grete GOLDSTEINER, Franz KARNER, Leo MICHELEC, Konrad NEUBURGER, Leo NEUNTEUFEL, Siegfried PANHOFER, Alfred POLT, Walter PRANZL, Franz SCHREJMA und Norbert SCHÜLLER.

Es war die große Zeit der Heimatkunde; staunend saß man vor schweren Grundbüchern aus alter Zeit, alte Schriften wurden entziffert ....

Missale Die hier verwendeten Anfangsbuchstaben stammen aus dem ältesten Meßbuch der Pfarrkirche in Waitzendorf
MDCXII (1612)

Diese Buchstaben entsprechen dem Thema der nächsten Publikation der Archivberichte aus dem XVII. Jahrh.

 
Anfangs wurden aus Dachböden Wagenladungen an alten Urkunden etc. geborgen, gereinigt, sortiert. Im Laufe der Jahre aber wurde vor allem Grundlagenforschung in Archiven und Bibliotheken betrieben, und zwar in den Pfarrarchiven Pulkau, Waitzendorf, Zellerndorf, Waidhofen an der Thaya, Obermarkersdorf, in den Klosterarchiven Zwettl, Geras, Klosterneuburg, im Stadtarchiv Retz, im Archiv des Bezirksgerichtes, im Eich- und Vermessungsamt Retz, in den Archiven und in der Bibliothek der NÖ Landesregierung, den Archiven im Erzbischöflichen Palais und des Schottenstiftes, neuerdings auch im Diözesanarchiv in St. Pölten, im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, im Bundesdenkmalamt, in der Nationalbibliothek, in der Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien u.s.w.

 
Mit Unterstützung von Befürwortern der Dorfforschung sammelten sich viele m3 an Archivalien und Ausarbeitungen an. 1999 wurden diese bis dahin im Wohnhaus des Karner aufbewahrten Bestände mit tatkräftiger Hilfe des Vigebgm. Schrejma, Leo Neunteufel, Josef Linsmeyer, Werner Divotgey, Johann Divotgey, Leo Michalec u.a. in fünf großen Transporten in den neuen Archivraum gebracht.

Seither haben sich die Archivbestände wesentlich vermehrt, sei es durch die Förderung und Unterstützung von Befürwortern und Freunden der Heimatforschung, sei es durch weitere umfangreiche Ausarbeitungen.

 
Im Jahre 2000 wurde ein Verzeichnis der Archivalien des Gemeindearchivs publiziert. Dieses Verzeichnis müßte allerdings auf den neuen Stand gebracht werden (eines von vielen Arbeitsvorhaben).

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung war die Herausgabe von Archivberichten,

von 1997 bis 1999 als Teil der Zeitschrift Club - Waitzendorf intern
von 2000 - 2003 als Teil der Zeitschrift Waitzendorf gestern - heute - morgen
im Jahre 2004 in den Waitzendorfer Nachrichten.

 
Es waren dies folgende Archivberichte:
 


TOM I

Muster TOM I, Archiv der Pfarre Obermarkersdorf, umfaßt "TAUFBUCH 1642", tatsächlich vom 8.IV.1640 - 18.I.1707 / fol 1 bis fol 23 fehlen, vorhanden sind fol 24 - 82 / ab fol 24 beginnt pag 1 bis 405
Die 1. Eintragung in TOM I:
"1642, pag 1, fol 24 (pag = fortlaufende Seiten, fol / fol vo = verso = Vorder- und Rückseite)
Den 3 February Pater (Vater) Merten Frantzel Zu Obermarckerstorff Infans (Kind) Apolonia Patri = Patriny = Paten Matthias Sax ux = uxor = rechtmäßige Ehegattin Christina ibidem = ebenso = auch zu Obermarckerstorff"

Muster TOM I Copulationsbuch (Trauungsbuch)
15.1.1651 - 23.2.1716
pag 1 bis 337
Durchschnittlich sind auf jeder Seite 3 Trauungen verzeichnet, d.h, es handelt sich um ungefähr 1.000 Copulationen. Jeder Einzelfall enthält mindestens sechs Namen (Bräutigam, dessen Eltern / Braut, Mädchenname, deren Eltern, zwei Zeugen für den Bräutigam, zwei Zeugen für die Braut, manchmal auch weitere Personen).

Muster TOM I Sterbebuch 14.1.1651 - 2.12.1711
pag 1 bis 237

Weitere Todesfälle sind im oberwähnten Taufbuch ab 25.3.1650, pag 51, fol 81, verzeichnet.

Bis zu 12 Todesfälle sind pro pag (Seite) eingetragen, durchschnittlich etwa sechs.

Zunächst wurde TOM I mit insgesamt 979 Seiten auf den üblichen Kopiermaschinen reproduziert, was der Praxis von renommierten Archiven entspricht und überdies den Vorteil hat, daß dieses unschätzbar wertvolle Unikat quasi in einer zweiten Ausgabe vorhanden ist. Leider waren die großen Kopiermaschinen nicht geeignet, kaum leserliche Seiten sichtbar werden zu lassen. Deshalb wurde eine Kopiermaschine gekauft, mit der es gelang, fast alle kaum leserlichen Seiten relativ gut leserlich werden zu lassen. Sodann wurden alle Taufen, Trauungen und Begräbnisse gleichsam auf Karteikarten aufgelöst, mit Datum und pag versehen. Der weitere Arbeitsschritt ist das "Übersetzen" der alten Schriften mit Lupe etc. als Vorbereitung für die Erfassung mit Computeralphabetisierung.

TOM I füllt deshalb einunddreißig Büroordner, Tausende von Namen wurden bereits mit Computer erfaßt, noch viel mehr aber müssen noch alphabetisiert werden.


In zunehmendem Maße gab und gibt es Kontakte und Korrespondenzen mit Heimatforschern, auch Übermittlung von Ausarbeitungen.

Besonders erfreulich sind zwei
 
DANKSCHREIBEN aus jüngster Zeit an den Berichterstatter, und zwar eines unseres Herrn Landeshauptmannes Dr. Erwin Pröll wegen Beteiligung an dem Projekt NÖ Familienalbum -

und eines vom Amt der NÖ Landesregierung, Institut für Landeskunde, wegen Übermittlung eines Forschungsberichtes betreffend den Komponisten Leopold Ferdinand SCHWERDT, dem Vernehmen nach für die Uni Laibach. Wegen dieser Forschungsarbeit bekam der Berichterstatter bereits im Jahre 2000 ein Dankschreiben der Österr. Akademie der Wissenschaften.

 


Von besonderer Aktualität ist derzeit die Ahnenforschung. In zwei Fällen fanden erst jetzt wieder in der Pfarrkanzlei in Waitzendorf derartige Recherchen statt - und zuvor gab es in all diesen Jahren immer wieder Aszendentensuche und Stammbaumdarstellungen

A
"A" aus den Beständen an Kunstdrucken des P. Albert, Pfarrer
HNENFORSCHUNG

Der KURIER / NÖ schrieb zu diesem Thema unter "Chronik":
Ahnenforschung wird zum Volkssport / Die Suche nach den AHNEN boomt und ist im Internet eine der häufigsten Anfragen / Auf eigene Faust nach den Wurzeln suchen ...

Bereits die letzte Ausgabe der Archivberichte (8/3) befaßte sich mit der Stammbaumforschung und ebenso ist dies ein Schwerpunkt in der neuen Ausgabe der Archivberichte (9/1).

Das veranlaßt aber zu einem Umdenken bezüglich der bisherigen Art der Verteilung. Bisher wurden die Berichte an Interessenten ringsum - was übrigens bereits Nachdrucke erforderlich macht - und darüber hinaus an die Haushalte in Waitzendorf verteilt. Einerseits kann nicht davon ausgegangen werden, daß es nur AhnenforscherInnen gibt, andererseits soll einer größeren Zahl von Interessenten Informationen geboten werden. Der Vorschlag hiefür kam von Hr. Charles Wardell (vorgestellt in den "Schrattenthaler Nachrichten" (107. Folge - Juni 2005) und wurde in einer Besprechung in der Gemeindekanzlei approbiert. Daraus resultiert ein neuer
 
MODUS unter Beibehaltung der bisherigen Auflagenhöhe, nämlich, alle jene, die unsere Archivberichte erhalten wollen, mögen dies mündlich (02946 8402) oder schriftlich kundtun. Falls schriftlich, dann genügt email an: archiv@schrattenthal.at

 
I Wie bereits in den "Schrattenthaler Nachrichten" (107. Folge - Juni 2005) mitgeteilt, ist das Gemeindearchiv auf der Homepage "archiv.schrattenthal.at". Es ist beabsichtigt, ins
NTERNET auch Archivberichte zu geben.

Hier darf die Bitte wiederholt werden, alte Dokumente, Zeichnungen, Aufzeichnungen, Urkunden, Fotos usw. dem Archiv zuzuleiten. Seit vielen Jahren besteht auch die Gepflogenheit, solche Archivalien zu kopieren und die Originale, soferne dies gewünscht wird, zurückzugeben. Diese Methode hat außerdem den Vorteil, daß mit Kopien die Texte der Unikate gesichert werden.

Da von Beginn der Forschungs- und Sammeltätigkeit ein enger Zusammenhalt von Gemeinde- und Kirchenarchiv gegeben war, erfolgte nun am 29. April 2005 die Inkorporierung des Berichterstatters mit "Sitz aber nicht Stimme" in den

P FARRGEMEINDERAT VON WAITZENDORF
mit der Kompetenz für Pfarrarchiv und Pfarrchronik.


Der nächste Archivbericht (9/1) wird zwar eine - wie erwähnt - Fortsetzung der Ahnenforschung sein, jedoch weit darüber hinausgehen. Wenn etwa im Gedenkbuch I der Pfarre Obermarkersdorf, errichtet im Jahr 1788 von Pfarrer P. Ferdinand Pock, oder im Gedenkbuch II der Pfarre Obermarkersdorf, errichtet 1835, gleichlautend zu lesen ist
"Geschichte der Pfarr Obermarkersdorf
... Daß schon vor mehr als 150 Jahren eine eigene Pfarre in diesem Orte gewesen ist, ist gewiß ... was sich in vorigen Zeiten sonst hierinfalls Merkwürdiges ereignet habe, hierüber habe ich nicht nur nichts Gewisses, sondern auch nicht einmal etwas Wahrscheinliches ausfindig machen können ...
"
so war dies geradezu eine Herausforderung, das Dunkel der Dorfgeschichte aufzuhellen. Aus dem "Tomus I" wurden daher die gesellschaftlichen Strukturen vor und nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 herausgefiltert u.s.w. und zwar vorwiegend für Schrattenthal und Obermarkersdorf. Für Waitzendorf geschieht dies nach den Aufzeichnungen im Pfarrarchiv Pulkau.


Hans Jakob Christoffel
von Grimmelshausen

DER
ABENTEUERLICHE
SIMPLICISSIMUS

Das erste, das diese Reuter täten, war, daß sie ihre Pferd einställeten; hernach hatte jeglicher seine sonderbare Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Verderben anzeigte. Dann obzwar etliche anfiengen zu metzgen, zu sieden und zu braten, daß es nahe, als sollte ein lustig Bankett gehalten werden, so waren hingegen andere., die durchstürmten das Haus unten und oben; ja das heimlich Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gölden Fell von Kolchis darinnen verborgen. Andere machten von Tuch, Kleidungen und allerlei Hausrat große Päck zusammen, als ob sie irgends einen Krempelmarkt anrichten wollten; was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, wurde zerschlagen; etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, alss ob sie nicht Schaf und Schwein genug zu Brechen gehabt hätten; etliche schütteten die Federn aus den Betten und fülleten hingegen Speck, andere Dörrfleisch und sonst Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu schlafen gewest wäre. Andere schlugen Ofen und Fenster ein, gleichsam als hätten sie ein ewigen Sommer zu verkündigen; Kupfer und Zinnengeschirr schlugen sie zusammen und packten die gebogene und verderbte stück ein; Bettladen, Tisch, Stühl und Bänk verbrannten sie, da doch viel Klafter dürr Holz im Hof lag. Häfen und Schüsseln mußte endlich alles entzwei, entweder weil sie lieber Gebraten aßen oder weil sie bedacht waren, nur .:in einzige Mahlzeit allda zu halten.
Unser Magd ward im Stall dermaßen traktiert, daß sie nicht mehr daraus gehen konnte, welches zwar eine Schand ist zu melden. Den Knecht. legten sie gebunden auf die Erd, steckten ihm ein Sperrholz ins Maul und schütteten ihm einen Melkkübel voll garstig Mistlachenwasser in Leib: das sie ein schwedischen Trunk nenneten, wordurch sie ihn zwungen, eine Partei anderwärts zu führen, allda sie Menschen und Viehe hinwegnahmen und in unsern Hof brachten, unter welchen mein Knan, meine Meuder und unser Ursele auch waren.
Da fieng man erst an, die Steine von den Pistolen und hingegen an deren Statt der Bauren Daumen aufzuschrauben und die arme Schelmen so zu foltern, als wann man hält Hexenn brennen wollen, maßen sie auch einen von den gefangenen Bauren bereits in Bachofen steckten und mit Feuer hinter ihm her waren, unangesehen er noch nichts bekennt hatte. Einem andern machten sie ein Seil um den Kopf und raitelten es mit einem Bengel zusammen, daß ihm das Blut zu Mund, Nas und Ohren heraussprang. In Summa, es hatte jeder seine eigene Invention, die Bauren zu peinigen, ... ... ...


LESEPROBE aus 8/3

Auszug aus dem Heimatbuch des Bezirkes Hollabrunn 2. Teil
herausgegeben vom Bezirksschulrat Hollabrunn
Seite 204 / 205

"im März 1646 verlegte General Torstenson sein Hauptquartier nach Schrattenthal .. "

"1645 und 1646 wurden die Felder weg der Feindesgefahr gar nicht bebaut und die Weingärten nicht gepflegt. Not und Elend wurden daher größer und die meisten Leute kamen an den Bettelstab. Zur Hungersnot gesellte sich bald auch noch die Pest. "

"Die Schweden verfuhren oft sehr grausam, um versteckte Lebensmittel oder Wertgegenstände zu erpressen. So gossen sie bei Retz ihren Opfern geschmolzenes Blei in die Kehlen!"

"Am Ende des Dreißigjährigen Krieges waren die Gemeinden verarmt und viele Leute ware obdachlos. Felder und Weingärten waren nicht mehr angebaut und gepflegt worden. "

"viele Häuser waren verödet ... "

 

 

[ Archiv ]   [ Waitzendorf ]   [ Geschichte ]